Opfer des §175: Homosexuelle Soldaten werden endlich entschädigt

Karl-Heinz Brunner bei der Bundeswehr
Privat

17. September 2020

Das Verteidigungsministerium hat sich endlich zu einer Entschädigung für die Opfer durchdringen können, die aufgrund des §175 StGB unehrenhaft aus dem Dienst entlassen wurden.

„Der §175 ist seit 1994 Geschichte. Es dauerte noch 23 Jahre, bis der Deutsche Bundestag ein Gesetz verabschiedete, dass die Opfer dieses Unrechtsparagraphen entschädigt und rehabilitiert. Weitere drei Jahre mussten ins Land gehen, bis sich das Verteidigungsministerium dazu durchringen konnte auch das Leid der betroffenen Bundeswehrangehörigen anzuerkennen. Diesen Schritt zur Wiedergutmachung begrüßt die SPD-Fraktion im Bundestag aus vollem Herzen.

Eine aktuelle Studie des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr hat sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. So wurden alleine von 1981 bis 1991, also in einer bereits vergleichsweise liberalen Zeit, noch immer 55 interne Entscheidungen der Truppendienstgerichte verzeichnet und Soldaten unehrenhaft aus dem Dienst entlassen.

Das endlich ein Umdenken in der Bundeswehr stattgefunden hat, stimmt mich für die Zukunft positiv. Die Bundeswehr muss sich grundsätzlich neu ausrichten; offener und diverser werden. Die jetzige Entscheidung der Verteidigungsministerin ist daher ein gutes Zeichen. Bei einer steigenden Zahl von internationalen Konflikten kann es sich die Bundeswehr nicht leisten, konservativ und rückständig zu sein. Sie braucht das beste Personal – sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität spielt dafür keine Rolle. Es ist bedauerlich, dass der Wandel für viele Soldatinnen und Soldaten zu spät.“

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