„Es macht keinen Spaß mehr, Pflegefachkraft zu sein“

Quelle: privat

05. Februar 2021

Bericht über die Online-Veranstaltung „Pflege solidarisch gestalten“

Die Situation in der Pflege war Thema einer Online-Veranstaltung der SPD-Bundestagsfraktion, zu der der örtliche Abgeordnete Karl-Heinz Brunner die Pflegebeauftragte der SPD-Fraktion, Heike Baehrens, die Gewerkschaftssekretärin Uschi Zwick und die Pflegefachkraft Kati Hüttenrauch zusammengeschaltet hatte. Vor interessiertem Publikum am heimischen Bildschirm sprach Heike Baehrens über ihr sozialdemokratisches Verständnis von Pflege: „Pflege ist ein Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge und muss daher von der Politik gestärkt werden. Corona wirft gerade ein besonderes Licht auf die Situation in Krankenhäusern, Seniorenheimen und die Pflege zu Hause. Aber schon vor Corona gab es eine enorme Überlastung beim Pflegepersonal, das sich weniger Bürokratie und mehr Zeit für die Pflegebedürftigen wünscht.“ Hier habe es zuletzt Verbesserungen gegeben, so sei durch das Pflegepersonalstärkungsgesetz die Finanzierung von 13.000 zusätzlichen Fachkraftstellen sichergestellt worden.

Grundsätzlich brauche es Rückenwind für die Pflege und die Pflegekräfte, um eine gute und verlässliche Pflege gewährleisten zu können. Dazu müssen Pflegekräfte angemessen entlohnt werden, hier sei durch die Einigung auf einen bundeseinheitlichen Tarifvertrag ein erster Schritt erreicht worden. Dieser müsse nun als allgemeinverbindlich erklärt werden, damit das starke Nord-Süd-Gefälle bei der Bezahlung gestoppt wird. Ebenso wichtig sei eine optimale Unterstützung pflegender Angehöriger, zum Beispiel durch einen Ausbau des Kurzzeitpflegeangebots.

Uschi Zwick, die als Gewerkschaftssekretärin bei Ver.di für den Bereich Pflege sowohl mit Beschäftigten in der Pflege als auch mit den Arbeitgebern in regelmäßigen Kontakt ist, bedauerte, dass es erst eine Pandemie gebraucht habe, um die Krise in der Pflege einer breiten Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Die Arbeitsbedingungen in der Pflege müssten dringend verbessert werden, dann gäbe es auch genügend Pflegekräfte, die den Beruf ausüben würden. Der derzeitige Personalmangel liege nicht nur an der Bezahlung sondern auch an der Arbeitssituation. Hier konnte Kati Hüttenrauch aus ihrem Arbeitsalltag auf der Intensivstation berichten, der sich durch Corona noch verschärft habe. Corona-Patienten würden viel Personal binden, sodass für die Versorgung der weiteren Intensivpatienten weniger Kräfte zur Verfügung stünden. Generell habe es in den letzten Jahren einen extremen Wandel in der Pflege gegeben, der durch kurzfristige Bekanntgabe von Dienstplänen, hohen Arbeitsdruck und Ausdünnung der Personaldecke dazu geführt habe, dass Pflegekräfte selber erkranken oder den Beruf wechseln. Diese hohe Belastung sei auch nicht durch eine bessere Bezahlung auszugleichen, obgleich es durchaus fragwürdig sei, dass der Dienst am Menschen schlechter bezahlt werde, als die Montage eines Autos.

In der anschließenden Diskussion berichteten auch andere Pflegekräfte aus ihrem Arbeitsalltag und forderten unter anderem eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Generell seien sich zu wenige Menschen bewusst, was die Arbeit als Pflegefachkraft, ob nun im Krankenhaus oder in der Altenpflege, körperlich und auch emotional bedeute. Öffentliches Klatschen sei auf Dauer zu wenig, ebenso der einmalige Corona-Pflegebonus, den zudem nicht alle Pflegekräfte erhalten hätten. Auf die abschließende Frage Brunners, was die drei Referentinnen ändern würden, wenn sie einen Tag das Sagen in der Pflege hätten, war die Antwort eindeutig: bessere Arbeitsbedingungen für die Pflegekräfte! Hüttenrauch wünschte, dass die Bedingungen so gestaltet werden müssten, dass man wieder Spaß an der Arbeit hätte. Zwick betonte, dass hierzu auch eine Entlastung der Arbeitskräfte, zum Beispiel durch genügend Personal in den Schichten nötig sei. Baehrens wünschte sich die Übernahme des Metall-Tarifvertrags für die Pflegekräfte, die von einer 35-Stunden Woche und besserer Bezahlung enorm profitieren würden.

PM Brunner: Bericht zur Online-Veranstaltung "Pflege solidarisch gestalten" (PDF, 68 kB)

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